Das Projekt

 
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Einleitung

Südtirol, Land der Berge und Land wunderschöner Natur, ist in seiner Geschichte zugleich auch ein leidgeprüftes Land. Unsere Heimat hat
über das ganze 20. Jahrhundert Kriege und politische Spannungen
ertragen müssen. Die höchste Frontlinie des Ersten Weltkrieges verlief hier, die chauvinistische faschistische Politik beging hier durch eine Politik der ethnischen Säuberung in den 1930ern beinahe einen kulturellen Völkermord, politische Spannungen drohten in den 1960er Jahren Südtirol zu einem zweiten Nordirland zu machen. Und schließlich während des Kalten Krieges: Die heiße Grenze hier zwischen dem neutralen Österreich und dem NATO-Mitglied Italien, bis Mitte der 1990er Jahre bewacht von Tausenden von Soldaten und bestückt mit Dutzenden von Bunkern um eine mögliche Invasion des Warschauer Paktes, welche zum Glück nie zustande kam, zu stoppen.
Glücklicherweise sind heute die meisten Narben aus der
Vergangenheit überwunden. Aber wie die Entwicklung der Weltpolitik auch letzthin zeigt, (man denke an die Ukraine, Syrien etc.) ist es klar, dass unser aktueller Zustand des Friedens in Europa und dem Westen keine Selbstverständlichkeit darstellt - wir in Europa sind vielleicht die ersten, welche eine so lange Periode von Frieden und Wohlstand in der gesamten Geschichte der Menschheit erleben. Dies geschieht vor allem dank des größten Friedensprojektes welches jemals in Angriff genommen wurde - der Schaffung der Europäischen Union. Dieses Projekt wurde nur durch die Überwindung alter Feindschaften und Rivalitäten und schließlich der Grenzen innerhalb Europas ermöglicht - eine Überwindung der Grenzen welche gerade in diesen Tagen rückgängig gemacht zu werden droht. Um also den Frieden zu erhalten, müssen wir uns immer
auch der Vergangenheit besinnen - eine Vergangenheit welche
allzu oft aus Krieg und Leid bestand - und daraus lernen.

 

 
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Attraktion und Geschichte für Einheimische und
Touristen

 

Dieses Projekt möchte sich in vielerlei Hinsicht der Nachhaltigkeit widmen. Zum einen geht es dabei um territoriale Nachhaltigkeit. Das Projekt sieht die Wiederherstellung eines Bunkers, eines alten unterirdischen Befestigungsbaues zu musealen Zwecken vor. Der Bunker befindet sich in Toblach in nächster Nähe zur Staatsstraße im Grünen. Der Bunker ist eine von rund 360 vergleichbaren Bauten in ganz Südtirol. Diese Anlagen kamen nach ihrer Entwaffnung Mitte der 1990er ans Land Südtirol, welches dieselben ab Anfang der 2000er Jahre an Private weiterverkaufte. Zumeist ging es den Käufern jedoch um die Gründe drum herum, weniger um die Bauten selbst. Deshalb liegen die meisten derselben heute brach. Es soll dabei also einer bereits bestehenden Struktur zu neuem Leben verholfen werden. Brach liegendes kulturelles Kapital unseres Territoriums soll somit wieder aufgewertet werden. Das Projekt BunkerMuseum soll die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebettet in die jüngere Geschichte unseres Landes auf eine spannende und erlebbare Art und Weise präsentieren. Makro- und Mikrogeschichte treffen so aufeinander und ergeben einen spannenden Mix, welcher für Touristen und Einheimische gleichermaßen interessant ist. Das „BunkerMuseum“ wird somit als Attraktion für alle Interessierten offen stehen. Wie bereits von offiziellen Stellen wie Gemeindeverwaltung Toblach, Tourismusverein Toblach und Tourismusverband Hochpustertal anerkannt, stellt das BunkerMuseum ein wertvolles neues Angebot dar. Auf eine nachhaltige Art und Weise soll hierbei zur kulturtouristischen Entwicklung beigetragen werden. Ein sich daraus ergebendes Unterprojekt nennt sich Learning Peace
through History – Geschichte lehrt Friede. Dieses Projekt wendet sich an Schulen aller Schulstufen und zielt darauf ab, SchülerInnen das Fach Geschichte auf eine interessante und spielerische Art und Weise näher zu bringen. Durch ein Geschichte-zum-Anfassen-Konzept sollen SchülerInnen für dieses Fach begeistert werden. Durch die geplante schrittweise Ausweitung dieses Angebots auch an Schulen außerhalb unseres Landes, aus Italien, Österreich und Deutschland, soll die Europäische Integration durch diesen einst trennenden, heute aber erzählenden Bau gelehrt und gelebt werden. Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, sich für das was war zu interessieren, zumindest aber Bescheid zu wissen, um die Gegenwart besser zu verstehen. Vielleicht wird dadurch auch was dazu gelernt.

 

 
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Didaktisches Projekt: Geschichte lehrt Friede
 

Bereits seit 2015 läuft die Testphase des Projekts „Learning Peace through History – Geschichte lehrt Friede“. Ziel dieses Projektes ist die Annäherung von Jugendlichen und SchülerInnen an die Geschichte im Allgemeinen, in diesem Falle aber auch dem gleichnamigen Schulfach sowie den jeweiligen Schulprogrammen entsprechend. Besagtes Fach ist unter den in der Schule gegebenen Umständen wahrscheinlich eines der am schwierigsten zu unterrichtenden fächer, eine Vermittlung jener abstrakter Zusammenhänge alleine aus dem Schulbuch oftmals nur schwerlich erreichbar. Der Autor hat selbst jahrelang an Oberschulen die Fächer Deutsch und Geschichte unterrichtet. Seiner Erfahrung zufolge bringen was das Fach Geschichte angeht, historische Lehrausflüge sehr viel, weil man das Fach aus dem Schulbuch herausnimmt und den Schülern durch direktes Erleben näherbringt. Gerade aufgrund der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten ist es von eminenter Wichtigkeit unsere Jugend Grundsätze politischer Bildung beizubringen – eine, wenn nicht die wichtigste Säule dazu ist die Kenntnis der jüngeren Geschichte. Gerade aufgrund der Vorgaben der Schulprogramme sowie der allgemeinen Zeitknappheit ist es für Lehrkräfte oftmals schwierig, gerade die neuere und neueste Geschichte von der Nachkriegszeit bis heute durchzumachen. Die Geschichte dieser Anlage reichte über das gesamte 20. Jahrhundert – es ist deshalb möglich, die großen Themen dieses Jahrhunderts anhand dieses Baues zu versinnbildlichen. Aus diesem Grund stellt sich dieses Projekt das Ziel, zum einen Geschichte erlebbar(er) zu machen und den Schülern in einem Erlebnis verpackt, das sie schwerlich vergessen werden, eine Art Zeitreise in die Vergangenheit anzubieten. Wie bereits im Vorspann angesprochen, fühlt man sich im Inneren des Bunkers automatisch in der Zeit zurückversetzt, der Bunker bewegt den Besucher, ob er es will oder nicht. Geschichte wird hier also hautnah dargeboten und mit allen Sinnen wahrgenommen: Die Kälte, die Feuchtigkeit, die Enge und die Gerüche lassen niemanden gleichgültig.

Dass sich dieses Prinzip sehr gut für einen angewandten Unterricht eignet und zudem bei den SchülerInnen sehr gut ankommt, konnte einer Experimentation, welche im Laufe des Schuljahres 2015/16 durchgeführt wurde, unter Beweis gestellt werden. Neun Schulklassen aller Schulstufen und kamen in den Bunker, es war jedes Mal ein großer Erfolg. Die große Mehrheit der SchülerInnen zeigte sich begeistert: Geschichte war plötzlich was zum anfasse, was Spannendes geworden! In Zukunft soll dieses didaktische Angebot ausgebaut werden. In Form von Geschichtscamps und Workshops wird es möglich sein, den SchülerInnen die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf eine spannende und interessante Art und Weise beizubringen. Die Schulklassen, welche am Workshop teilnehmen werden, werden im Voraus geeignete Lehr- und Lernmaterialien erhalten, um sich im Rahmen von wenigen Schulstunden auf den Workshop vorzubereiten. Einmal am Bunker, werden dann durch dynamische Vorgänge und Eigenarbeit der Schüler selbst am Beispiel des Bunkers folgende Themen behandelt:

- Die Weltkriege und Faschismen

- Der Kalte Krieg

- Geschichte Südtirols in der Nachkriegszeit

- Die Europäischen Integration als größter Friedensprozess der Geschichte